Liebe Freunde und Familie,
ich war mal wieder los, der Camino Primitivo wartete auf mich. Das ist ein ca. 320 km langer Weg von Oviedo, nahe des Camino del Norte, bis nach Santiago de Compostela. Trotz der relativen Kürze lag seine Herausforderung für mich in den vielen Auf und Ab dieses Weges mit zum Teil erheblichen Höhenunterschieden. Als Hamburger gehe ich lieber flache aber dafür lange Weg. Aber was soll's, so sollte dies dann eine meiner Prüfung sein. Dafür belohnte dieser Weg mit überragend schönen Aussichten in die Bergwelt. Dargestellt sind hier auf der Webseite wieder nur die äußeren Wege, Begegnungen und Fotos vom Camino. Innere Wege, Seelenangelegenheiten und Begegnungen gehören hier nicht hin.
Karte:
Der Wegs verläuft ab Oviedo durchgängig Richtung Westen bzw. West-Süd-Westen und er führt durch die Spanischen Provinzen Asturien und Galicien. Dargestellt sind in der Karte noch die beiden Wegoptionen von Lugo via Friol oder Melide sowie die optionale Fortführung des Wegs nach Kap Finisterre oder/und Muxia.

Verwendung der Karte mit freundlicher Genehmigung des Conrad Stein Verlags GmbH 2019
(Großansicht)
Tages-Etappen:
Die Links in der Datum-Spalte helfen beim schnellen Navigieren zu den einzelnen Seiten des Tages.
| Etappe |
Datum |
Von |
Bis |
Distanz [km] |
Summe [km] |
Auf/Ab [m] |
| |
14.05.19 |
Hamburg |
Oviedo |
|
|
|
| 1 |
15.05.19 |
Oviedo |
Grado |
26,8 |
26,8 |
420/570 |
| 2 |
16.05.19 |
Grado |
Salas |
22,1 |
48,9 |
620/450 |
| 3 |
17.05.19 |
Salas |
Tineo |
20,7 |
69,6 |
680/300 |
| 4 |
18.05.19 |
Tineo |
Pola de Allande |
27,5 |
97,5 |
680/800 |
| 5 |
19.05.19 |
Pola de Allande |
Berducedo |
18,4 |
115,9 |
810/430 |
| 6 |
20.05.19 |
Berducedo |
Grandas de Salime |
20,7 |
136,6 |
610/970 |
| 7 |
21.05.19 |
Grandas de Salime |
A Fonsagrada |
26,2 |
162,8 |
800/410 |
| 8 |
22.05.19 |
A Fonsagrada |
Cadavo-Baleira |
24,9 |
187,7 |
600/830 |
| 9 |
23.05.19 |
Cadavo-Baleira |
Lugo |
29,8 |
217,5 |
440/720 |
| 10 |
24.05.19 |
Lugo |
Ferreira |
27,1 |
244,6 |
560/470 |
| 11 |
25.05.19 |
Ferreira |
Ribadiso |
32,2 |
276,8 |
570/800 |
| 12 |
26.05.19 |
Ribadiso |
Pedrouzo |
22,3 |
299,1 |
370/420 |
| 13 |
27.05.19 |
Pedrouzo |
Santiago de Compostela |
21,2 |
320,3 |
320/350 |
| |
28.05.19 |
Santiago de Compostela |
Hamburg |
|
|
|
| |
29.05.19 |
Nachbetrachtungen |
|
|
|
|
Pilgerführer:
Begleitet hat mich der für mich schon mehrfach bewährte Pilgerführer vom Conrad-Stein-Verlag (LINK).
(Band 141, ISBN 978-3-86686-482-5, 7. Auflage von 2018, Preis 14,90 Euro)
Kommentare:
#1 —
Neuer Versuch. Der erste ist in den unendlichen Weiten des Internets versunken.
Guten Tag, Michael--- zufällig bin ich auf deiner Seite mit den mich begeisternden Wandertagebüchern gelandet.Und bin
einfach hingerissen von deiner Art zu beschreiben,zu formulieren.Mehrfach habe ich wirklich Tränen gelacht.Auch die Bildunterschriften sind passend und witzig.Da ich alle beschriebenen Wege kenne,war der Wiedererkennungswert groß.
#2 —
Was uns verbindet, ist die Wertschätzung eines guten Kaffees, den ich in Spanien sogar in den abgelegenen Orten hochwertig fand. Den Primitiv bin ich vor Begeisterung 2x gegangen-- aber immer nur bis Melide.Die Pilgerautobahn fand ich unerträglich. Mit dem Bus bis SdC und dann ans Ende der Welt. Seit einigen Jahren entdeckte ich Frankreich -auch ohne Sprachkenntnisse eine Wanderung wert.
Danke für die tollen Beschreibungen deiner Wanderungen1-Grüße mir Hamburg -ich hoffe,du veröffentlichSt weiterhin deine Wegbeschreibungen.christa
Die Anreise verlief wie folgt:
- Flug LH011 von Hamburg nach Frankfurt 09:20
- Flug LH1142 von Frankfurt nach Bilbao -13:30
- Bus-Shuttle vom Flughafen Bilbao nach Bilbao Busbahnhof 13:55-14:20 für 3,- Euro
- Bus vom Bilbao Busbahnhof nach Oviedo Busbahnhof 16:30-20:05 für 42,57 Euro
Unterm Strich lief die ganze Anreise ohne Probleme. Das Personal war überall nett, mein Rucksack kam heil an und überhaupt. Im „Premium-Bus“ von Alsa gab es sogar eine Art Flugbegleiterin, die dann Getränke, leichte Snacks und Erfrischungstücher anbot. Das Hotel für 33 Euro ist ok und nur 100 m von der Kathedrale entfernt, die alledings schon geschlossen war, weshalb ich dort keinen Stempel mehr bekam. Essen wollte ich vor meinem Hotel nicht, weil die ganze Straße und das Lokal nach verschüttetem Apfelwein stank. Kein Problem, es gibt genug Alternativen in der Gegend :-) Morgen geht es los...

Der Michel vor der Kathedrale in Oviedo, die um 20:30 Uhr leider schon rundum verschlossen war...

Der Salat mit Fisch schmeckte aber sehr gut.

Mein Badezimmer muss ich noch erwähnen, weil das hier in Spanien typisch ist. Ich habe also kein Dusche, sondern eine Badewanne (so auch laut booking.com). Wenn man ein Säugling ist oder keine Beine hat, klappt das ganz prima mit dem darin liegen, aber warum kann man so selten die Handbrause stabil einhängen? Der Brause fehlt der Konus.

Jedenfalls fand ich direkt vor dem Hotel schon einen schönen und im Fußweg eingelassenen Wegweiser.
Kommentare:
#1 — Lieber Michael. Das ist ja eine tolle Badewanne. 10 Liter Wasser, reinsetzen und schon läuft die Wanne über. Das ist Sparsamkeit in Spanien. Wenigstens schmeck das Abendessen. Für den Anfang erstmal genug, mal sehen ob unsere Wünsche bei Dir ankommen. Daumen hoch, schöne Grüße Rosi und Heinz
Der Tag fing mit einer gut geschlafenen Nacht und einem spärlichen Frühstück (Kaffee sowie Toast mit Butter und Salz) an, aber ich konnte doch gegen 8:00 Uhr an der Kathedrale starten, die leider immer noch geschlossen war. Der Weg aus der Stadt war gut ausgeschildert und das Gehen fiel mir nicht schwer. Jetzt übe ich das Gehen mit den Stöcken und man kann sich wirklich daran gewöhnen, wenn man die Gumminupsies drunter hat, die das Klack-Klack-Geräusch vermeiden helfen. Das Wetter war super, aber mit 19-24°C fast schon zu warm. Unterwegs traf ich auf Janeen auch Virginia/USA, die eigentlich aus Port Elizabeth/Südafrika stammte. Mit Ihr ging ich eine Weile zusammen, aber ich traf dazu noch Pilger aus Spanien, Italien (Radler), Schweizer, Österreicher, Rumänen und Mexikaner. Das Pilgervolk ist auch hier sehr bunt gemischt und zahlreicher, als von mir angenommen.

Der Michel am Beginn seines Wegs vor der Kathedrale.

Die heutige Tour und das (noch) moderate Höhenprofil.

Das Wetter hier in der Gegend um Oviedo. In zwei Tagen ist aber auch hier mit Regen zu rechnen.

Landschaft mit Nebel in der Tälern. Ob die „Chem-Trails“ am Himmel schuld sind?

In Asturien verwendet man zumindest auf dem Land zur Wegweisung Monolithen, die man in ähnlicher Form auch aus Galicien kennt.

Ein guter Teil Wege sah heute so verwunschen wie hier aus.

Die Mieze am Wegesrand hat die Lage im Blick.

Herrliche Ausblicke - viel Grün, viel Weite.

Aus der Ferne war das nur eine ältere Dame und ein Oldtimer (Seat)...

...aus der Nähe buhlten aber 6 Katzen um Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten.

Das Hotel „Auto-Bar“ ist meine heutige Bleibe. Das Einzelzimmer mit eigenem Bad kostet 20 Euro und für 10 Euro gibt es um 20:00 Uhr ein Menü. Ab 7:00 Uhr soll es Frühstück geben. Im Supermarkt links davon kaufte ich erstmal Wasser und Proviant für Notfälle.

Hier meine Dusche und es ist erstaunlich, wie wenig Platz man für ein komplettes Bad benötigt. Allerdings fiel mit in der Dusche was runter und Bücken ging nicht. Einige Menschen kommen sicher gar nicht erst hinein. Vor dem Klo kann man nur in verbogener Haltung stehen und msn muss gerade sitzen, um nicht die Stirn am Waschbecken zu beschädigen. Da ich Widder bin, wird wohl eher das Waschbecken leiden.

Ich bin mit Bananen und Ölsardinen wieder komplett vorbereitet, wenn ich mal wieder Gefahr laufe, darben zu müssen. Nüsse wären gut, aber die sind noch verboten.

Das Menü war ganz ordentlich und bestand aus einem Fischfilet (vermutlich Kabeljau bzw. Cod-Fish), Pommes, kalten Reis mit Scampi sowie Salat und Brot. Dazu gab es noch Vino Tinto (mal nicht an der Frostgrenze) und hintendran einen Cafe Americano. Das war echt ok und wohltuend :-)
Kommentare:
#1 — durch die du wanders. Auch anders als das letzte Mal.
Ich hoffe du hast wieder so ein komplettes Bad wie die letzte Nacht. Laß dir dein Abendessen schmecken und wieder Kraft
für morgen. Mutti
#2 — sind mit Vorsicht zu mieten. Wenn du weiter im Preis heruntergehst, kannst du nur noch die Tür öffnen aber nicht hinein gehen. Das Abendessen sieht gut aus.Für den heutigen Tag wieder so schöne Landschaft. Ich liebe deine Fotos.
Servus, Mutti
#3 — Hallo Michael, toll, dass du dich nun endlich auf den Weg machen kannst, und es verspricht ja ein ganz anderer als der de la Plata zu werden. Ich wünsche dir viel Spaß, nette Begegnungen und viele neue Eindrücke und Ausblicke! Pass auf Dich auf, Margit
#4 — Lieber Michael. Claudia können wir nicht mehr schreiben. Aber zu Dir ist schreiben kein Problem. Endlich eine Dusche, leider wohl nur zum Stehen geeignet. Die Katzen laufen dort wohl Immen frei rum. Auch Claudi hat schon einige getroffen. Wir wünschen Dir gutes vorankommen, Herzliche Grüße die Heiros
Heute Morgen bin ich mit Kopfschmerzen aufgewacht, die bis mittags anhielten. Ich merke, dass ich durch die Steigungen bergauf sehr viel schwitze und deshalb sicher um die 4 Liter Wasser pro Tag benötige. Da muss ich nachbessern. Ich hatte dank gestern gekaufter Bananen immerhin ein Frühstück mit Bananenbrot und Butter. Butter ist nämlich nicht immer selbstverständlich.
Die nette Wirtin besorgte mir telefonisch eine Reservierung in Salas im Hotel Soto, also ein Einzelzimmer mit einem tollen Bad für 20 Euro. Menü und Frühstück muss ich mir allerdings woanders suchen.
Der Weg heute war nicht spektakulär, aber ich traf Harald aus Österreich wieder und ging danach mit zwei sehr Jungen Amerikanern - Jack und Lukas aus New Jersey - weiter. Beide ließ ich in Casazorrina zurück. Das Wetter war durchgehend bedeckt und es regnete sogar mal leicht, was nicht schlimm war, weil ein dichtes Blätterdach uns schützte. Daneben traf ich noc Leute aus Belgien, Taiwan, Holland, Deutschland, England und Italien (ohne Rad).
Meine kleinen Zehen waren auch weniger muksch, da ich die angefeuchteten Schuhe an entsprechender Stelle mit dem Messergriff weitete. Das funktioniert ganz gut bei Lederschuhen :-) 👍
Das Menü in einer Bar in der Nähe kostete 12 Euro und diente wahrlich der Pilgermast. Eigentlich reicht das Essen sogar bis Santiago, könnte man meinen.

Die Provinz Asturien hilft den Pilgern hier sehr gut mit Informationen zu Wegen, Richtungen und Etappen. Hier stellen sie z. B. noch alle Zwischenortschaften und ein Höhenprofil dar.

Dieses Haus aus Natursteinen hatte ich eigentlich nur fotografiert, weil es so hübsch aussah. Erst danach bemerkte ich, dass man Pilgern hier kostenlos bzw. gegen eine freiwillige Spende (Donativo) Kaffee und Kekse anbot.

Auch wenn es in der Ferne neblig und wolkig aussah, hatte es nur ganz spärlich mach geregnet.

Die Jungs hatte ich, aus der Ferne gesehen, für Schweine gehalten, wie die da so herum lagen.

Die Pilger müssen sehr dankbar gewesen sein, als man ihnen eine kleine Brücke baute und sie nicht mehr über Steine tänzelnd den Bach überqueren mussten.

Universell gültige Mahnung :-)

Netter Weg durch waldiges Gebiet, welches uns vor leichtem Regen schütze.

Mein Hotel Soto. Ich musste erst herum fragen, weil ich es nicht fand und weil ich auch den Schriftzug komplett übersah. Mir gehört das Zimmer mit dem offenen Fenster neben „Soto“.

Meine bescheidene Schlafstätte. Gegenüber steht sogar noch ein Stuhl und ein Tisch. Pilgerherbergen sind zwar noch bescheidener, aber so habe ich immerhin meine Ruhe und genug Ablageflächen.

Das Bad ist super, was den Michel sehr erfreut 😊
Diesen Käse beschaffte ich heute nach. Er hält ohne Kühlung ein paar Tage im Rucksack und man kann damit sein Frühstück oder trocken Brot unterwegs etwas aufbessern. Was den Müll angeht, ist das schon ein Frevel.

Selfie des Tages nach dem Marsch.

Menü Teil 1: Suppe mit irgendwas. Michel isst alles auf.

Menü Teil 2: Kartoffeln mit Kiechererbsen. Michel isst immer noch artig alles auf.

Menü Teil 3: Kartoffeln mit Kohl. Hiervon aß ich nur den Kohl.

Menü Teil 4: Nudeln mit Thunfisch. Die Hälfte davon ließ ich zurück gehen.

Menü Teil 5: Fritten mit Fisch. Den Fisch aß ich, weil ich ihn für gesund hielt. Jetzt versuche ich zu schlafen. Etwas von dem Brot nahm ich mit, da ich das Brot zusammen mit dem Babybel für ein Notfrühstück verwenden kann.
Kommentare:
#1 — Habe noch nie so viele Menüs hintereinander gesehen. Bin
völlig platt! Hoffentlich hast du keine Magenschmerzen in der Nacht gehabt. Irre was die Küche da fabriziert hat!
Aber die Landschaft ist wirklich toll, und die Häuser aus Steinen! Die Bewohner haben sich bestimmt nicht mit der Baubehörde anlegen müssen. Das würde uns hier - wo es möglich ist - auch gut zu Gesicht stehen. ich freue mich schon auf die nächsten Fotos. Mutti
#2 — Hallörchen, wir staunen. So eine Menü folge. Da würde ich platzen und der Kohl bringt genug Abgase. Michael, wir freuen uns immer wieder über die schönen Landschaften. Ich habe zu genug zu tun um alles in Ordner zu Speichern. Uns schein, das Wetter ist diesmal doch angenehmer. Dir weiterhin alles Gute wünschen Rosi und Heinzi
Trotz der Pilgermast von gestern, habe ich erstaunlich gut geschlafen, aber ich hatte ja auch keine Schnarcher in der Bude. Frühstück gab es um 7:15 Uhr in einer Bar und um 7:30 Uhr zog ich los. Die nette Wirtin schenkte mir zum Abschied noch zwei Stücke Butter und eine Banane. Da ich unterweg niemanden traf - ok, ich überholte irgendwo ein Pärchen - war mir nicht klar, ob ich nun recht früh oder recht spät unterwegs bin. Jedenfalls regnete es etwa 4 der 5 Stunden und ich war nicht wirklich glücklich darüber. Alles ist nass, die Schuhe abgesoffen und das Umkreisen von fiesen Pfützen geht wieder los. Unterwegs kam mir auf einem morastige Weg noch eine Kuhherde von ca. 30 Tieren entgegen, die nicht wirklich pfleglich mit dem Weg umging. Fotos von all dem gibt es nicht, weil es zu nass dafür war. Eigentlich sollten jetzt die schönsten Aussichten beginnen, aber auch die sind im Dauerregen nicht erkennbar und unwichtig. Das von mir favorisierte Hotel „Don Miguel“ war geschlossen und so kam ich im „Palacio D Meras“ unter, die auch Pilgerbetten für 12 Euro anboten oder Hotel-Betten für 67 Euro. Ich entschied mich für eine Doppelkinenate für 18 Euro und muss mein Bad mit anderen teilen. Das wäre nicht schlimm, aber es riecht wegen der mangelden Durchlüftung sparkig. So habe diese Wahl schon wieder bereut. Jedenfalls trocknen meine Schuhe mit zerknüllter Zeitung gefüttert und ich muss morgen nass mit ihnen starten. Die Wettervorhersage für morgen ist leider auch sehr bescheiden.

Dass der Weg mit einer dauernden Steigung begann, war eigentlich kein Problem. Da kommen wohl noch ganz andere Steigungen.

Hier mein bescheidenes Frühstück für 3,- Euro.

Eigentlich sind das superschöne Ansichten, bei denen man gern mal stehen bleibt und genießt.

Es regnete aber nicht durchgehend und so blieb mal Zeit für ein Selfie vom Spaß-Michel mit Hintergrund.

Toller Himmel, nicht wahr?

Die Bedeutung dieser Speicher ist mir nicht ganz klar. Wie in Kastilien und Galicien auf Stelzen gebaut, die Nagetiere nicht erklimmen können, sind diese „Speicher“ deutlich größer und es gibt sie von völlig verfallen bis edel - wie hier.

Meine heutige 4-Sterne-Absteige. Die Alberge dazu befindet sich im Keller und hat keine Fenster. Damit würde man hier nicht rechnen.

Mein Bettchen...
Kommentare:
#1 — hattest du mal mit dem Föhn bearbeitet. Vielleicht muss du dir wieder einen kaufen. Mit Zeitungspapier funktioniert es nicht immer. Du hast die Tage zuvor so entspannt ausgesehen. Das kommt aber wieder. Habe mir heute 2 Forellen (ohne alles) gemacht. Das zu haben mir deine Fischmahlzeiten Appetit gemacht. War gut! Freue mich schon auf die nächsten Bilder und gute Gesundheit für deine kleinen Zehe. Mutti
#2 — Lieber Michael, die Berge fangen ja erst an. Da kannst Du schon mal üben, und gleich ins obere Bett. Wir wünschen Dir aber besseres Wetter. Claudia hatte schon sehr sonnige und warme Strecken. Wir wünschen Dir gutes Vorankommen und ohne Erkältung. Daumen hoch, Rosi und Heinz
Ich war schon früher wach als geplant und konnte im Zimmer ein improvisiertes Käsebrotchen essen, aber den Kaffee gab es erst in der Bar gegenüber. Der Tag sollte sehr regnerisch werden und so startete ich dann einfach los und wollte ihn hinter mich bringen. Die Schuhe waren natürlich immer noch feucht und so lief ich mir in feuchten Schuhen und feuchten Socken links die Ferse wund :-( Der Regen war aber doch nicht so stark und mit Wind von vorne und so war der Regen doch erträglich. Auch die Steigungen waren erträglich, nach insgesamt 800 m bergab, melden sich nun aber die Knie. Reserviert hatte ich ein Zimmer im Hotel „Noeva Allendesa“ für 50 Euro. Da ist dann mal wieder alles dabei und Frühstück ab 7:00 Uhr

Relevant ist der Zeitraum 5:00-14:00 Uhr. Hier in Allande nieselte es noch den ganzen Nachmittag.

Selfie am Morgen :-)

Von Nebeln und Wolke getrübte Berglandschaften.

Typischer Spaßweg nach Regen oder auch noch Tage nach Regen. So hat man immer ein paar sportliche Aufgaben zu lösen. Hier muss man über die nasse und vermoste Mauer balancieren ohne links in den Stacheldraht oder rechts in den Schlamm abzurutschen.

Berglandschaft.
Berglandschaft.

Verarschungsweg durch kniehohes, nasses Gras, welches macht das:

Erneut nasse Schuhe und nasse Hosenbeine :-(
Die Provinz Asturien glänzt durch eine sehr gute und durchgehende Ausschilderung. Das Scharnier der Muschel gibt auch ohne Pfeile die Richtung nach Santiago an. Symbolisch laufen, wie bei der Muschel die Rippen, alle Wege auf Santiago de Compostela zu.

Kleiner Vitamin-Snack nach Ankunft und Duschen im Hotel.

Rückseite meines Hotel „Nueva Allandes“. Mein Zimmer geht aber nach vorn zur Straße raus, was vielleicht nicht so romantisch ist, aber dafür viel ruhiger.

Während ich dies hier beim Bier alles auf den Webserver hochlade, schiebt mir der Barmann als Snack - quasi als Ausgleich zum verherigen (gesunden) Salat - eine Schale mit Knofi-Kartoffeln hin. Jetzt bring er noch eine. Ich finde, das ist eine tolle Sitte hier in Spanien :-)

Eeendlich: Salat mit einem Spargel aus dem Glas. Nun bin ich wirklich auf dem Camino angekommen, habe mein Zentrum gefunden, bin mit dem Universum eins geworden und kann in Ruhe sterben - mehr geht nicht :-)
Kommentare:
#1 — den du gehen muss. du wolltest es ja so. Sind noch andere Menschen mit dir oder sind sie umgekehrt? Direkt warm ist es auch nicht wirklich. Hier in Hamburg ist es wärmer, Aber das mit dem eingeweckten Spargel weckt verträumte Erinnerungen zurück. Bei deiner Rückkehr gibt es hier Spargel für dich. Ich wünsche dir druingend Sonne und trockne Wege und denke an dich. Halt die Ohren steift, deine etwas besorgte Mutter
#2 — Wie ich schon sagte, Vorsicht vor Erkältung und Zecken. Im hohen Gras. Wir sitzen hier bei Sonnenschein im Trockenen. Aber du schaffst es schon. Hauptsache die Bude ist warm, damit die Schuhe trocknen. Wir verfolgen dich auf der Karte und ich habe zu tun mit Bilder speichern. Es grüßen die Heiros
#3 — Hola Michel, jaaaa theoretisch sollte das Scharnier der Muschel nach Santiago zeigen, aber leider wissen es teils noch nicht mal die Ortschaften hier. Oder anders ausgedrückt: wenn ich nur dem Scharnier gefolgt wäre, hätte ich einige Umwege gehen müssen.
Buen Camino
La otra Peregrina
Heute war der Tag mit dem höchsten Punkt der Reise und es ging vom Start weg 600 m hoch auf die 1146 m des Puerte del Palo. Zusammen mit Maite aus Dänemark, die ich beim Frühstück kennen lernte, erklomm ich diese Anhöhe. Da wir durchgehend schönes Wetter hatten, konnte ich erstmals die schöne Bergwelt bewundern. Leider lief ich mir unterwegs die linke Ferse komplett wund, die ich schon am Tag vorher mit Compeed-Pflaster schütze. Als ich in Berducedo ankam, waren Plaster und Haut jedenfalls eins und auch ab :-( Jetzt weiß ich noch nicht genau, wie ich morgen gehen soll. Würde der Weg mehr oder weniger parallel zu Straßen verlaufen, würde ich in Crocs an der Staße entlang laufen - tut er aber nicht... Ich bin jedenfalls in der Pension „Casa Marques“ für 30 Euro ohne eigenes Bad untergekommen. Für 4 Euro wuschen und trockneten sie dort meine stinkende Laufwäsche. Mein Zimmer hat eine Elektroheizung und mit der trockne ich nun meine immer noch feuchte Stiefel, was auch der Haut im Stiefel gut tut. Alles möglichen Leute traf ich hier wieder um gegessen habe ich mir einem Michael aus Trier.

Das Wetter war so gut wie die Prognose und soll es die nächste Woche hier auch bleiben.

Bergwelten.

Oben am Puerte del Palo auf 1146 m. Das war eine ganz schöne Kraxelei :-)

Weitere Bergwelten.

Ja.

Schade, dass die Knipse Höhen nur schwer erfassen kann.

Hier geht es den Pilgerweg hoch...

...und hier wieder runter!

Selfie des Tages.

Snack am Nachmittag in der Pension.

Jetzt trocknen meine Treter auf der Heizung. Ob sie wirklich passen, sieht man in keinem Laden, weil man sie dort ganz nass mit 10 kg Gepäck über 5 Stunden auf- und abwärts gehend tragen müsste. Das Foto meiner Blase erspare Euch Euch.
Kommentare:
#1 — und ungeheuer anstrengende Strecke zu gehen. Helfen die Stöcke dabei? Deine Ferse!!! Und wenn du jetzt mal eine Strecke mit dem Bus fährst und schuhlos im Ort bleibst oder eine Pause einlegst? Ich denke an dich, Mutti
#2 — Hallo Michael, Schuhe nicht zu heiß trocknen. die werden krumm und laufen ein. Die Claudi hat die Füße getapt. Ich glaube so scheuert es nicht so. Die Berge hoch und runter bereiten mehr Druck auf Vorderfuß und Hacke. Aber es lohnt sich, in den Bergen hast du bei klarem Wetter wunderschöne Landschaften. Genieße es, die prachtvollen Bilder habe ich alle in Ordner gespeichert. Immer langsam die Steigungen nehmen. Schöne Grüße von Rosi und Heinz
Ich hatte nicht gut geschlafen, weil ich mir wegen der fiesen Blase Sorgen machte, aber mit Compeed-Pflaster sowie dem zusätzlichen Abkleben mit Omnifix-Tape plus zwei paar Socken sollte es dann klappen. Vor der Frühstücksbar stand ein Pilger-Shuttle, aber ich wiederstand und es gelang mir stattdessen ein Zimmerchen für 20 Euro pro Nacht zu reservieren. Somit hatte ich beliebig Zeit für den Weg. Beim 800 m Abstieg schmerzte dann das rechte Knie und ein Holländer bot mir seine Kniebandage an. Auch wenn der rechte Fuß wegen der doppelten Socken sowie das rechte Knie wegen den Überlastung schmerzten, gab es unterwegs einige schöne Dinge zu sehen.

Die Wettervorhersage für heute - super Wanderwetter.

Da ich über der Wolkendecke startete, konnte ich am Anfang auf sie herab blicken.

Das ist schon ein faszinierender Anblick. Da reicht zuhause auch meine 8. Etage nicht.

Ja.

Die Wolken kommen näher...

Mittendrin in der Wolkensuppe. Die Bäume haben mal durch ein Waldbrand sehr gelitten.
Michel im 7. Himmel.

Jan aus Zwolle/NL half mir mit seiner Kniebandage aus, weil mein rechtes Knie durch die insgesamt 970 m Abstieg heute überlastet war. Gut, dass es Menschen wie ihn gibt - Danke Jan :-)

Kurz vorm Stausee.

Staumauer Ria Navia.

Stausee Ria Navia.

Wegweiser des zufällig auch hier vorbei führenden Wanderwegs GR 109 mit der Etappe 25.

Ich war froh, fast am Ziel zu sein, um endlich die Stiefel auszuziehen.

Mittagessen in meiner Pension. So ein Salat tut immer gut. Wenn man Probleme mit den Zähnen hat, richten auch die Karotten aus Glas keinen Schaden an.

Das Zimmer für 20 Euro pro Nacht sollte man nicht überbewerten. So zeigt sich doch Schimmel hier und da, das Fenster ist zugig, der Raum ist kalt und wenn man sich mit etwas Schwung aufs Bett setzt, dann bricht es einem fast den Steiß.
Kommentare:
#1 — Hi Michi,
Du weisst doch: Nur die Harten kommen in den Garten
Ich freue mich für dich, dass Du so gut durchgehalten hast, trotz aller Widrigkeiten.Ich bewundere dein Durchhaltungsvermögen. Bleibe gesund, und lass dich herzlich grüßen.
#2 — ein geruhsames Bett, keine Kälte, eine warme Dusche, ein gutes Abendessen und nette und hilfsbereite Menschen wie den Jan. Toll dein Durchhaltevermögen. Ich denke an dich, Mutti
#3 — Hallo Michael. Über den Wolken kann die Freiheit grenzenlos sein. Ich bewundere dein Durchhaltevermögen. Es ist doch härter als im Flachland. Trotzdem herzliche Grüße von Rosi und Heinz
Nach einer sehr gut geschlafenen Nacht und einem ordentlichen Frühstück traf ich Martin, mit dem ich die heutige Etappe gemeinsam ging. Die Blase war erträglich und mit Stöcken und Krabbengang gelangen auch die negativen Steigungen ganz gut. Ich habe Asturien verlassen und bin nun in Galicien. Auch habe ich nun 160 km der rund 320 km hinter mir. Das ist also Bergfest im doppelten Sinne. Leider habe ich die Sonne unterschätzt und mich etwas verbrannt. Morgen passe ich besser auf. Überhaupt scheint der Regen für den Rest der Tour vorbei zu sein. Ich werde ihn nicht vermissen. Ich bin gespannt wie es weiter geht. Den Rest erzählen die folgenden Fotos.

Dieses Frühstück war ein guter Start, auch wenn ich mein eigenes von Zuhause etwas vermisse. Jedenfalls ist der Kaffee hier immer gut.

Aussicht mit Wolken auf Augenhöhe.

Aussichten auf Bergwelten.

Weitere Aussichten.

Michel am recht einfach markierten Übergang von Asturien und Galicien...

...und am ersten Monolithen in Galicien, der Richtung und Entfernung (160,098 km) nach Santiago anzeigt.

Auch hier ist es schön mit viel Heide und anderen Pflanzen. Man beachte die mit Schnee bedeckten Gipfel im Hintergrund.

Der weiße Ort in der Ferne ist A Fonsagrada, das heutige Etappenziel.

Ein fremdes Pligerpärchen beim Pausieren auf einer Wiese mit einem sagenhaften Ausblick.

Mein diesmal wirklich schönes Zimmerchen von heute.

Zur Feier des Tages gab es Pulpo in der Pulperia.
Die Wetteraussichten von A Fonsagrada und Santiago de Compostela für die nächste Woche. Besser geht es nicht. Mein Regenponscho ist voller Optimismus nicht mehr griffberei, sondern wieder unten im Rucksack verstaut :-)

Hier sieht man das Höhenprofil des Gesamtweges, der allerdings noch bis Fisterra und Muxia eingezeichnet ist. Ich bin ca. bei km 160 (grüne Linie) und man erkennt, dass die schlimmsten Steigungen hinter mir liegen. Bei ca. km 320 liegt etwa Santiago de Compostela.
Kommentare:
#1 — Hola Miguel, ... das ist ja echt ein heftiges Höhenprofil. Ich bin gespannt auf Deinen Bericht. Schön, dass die Blase besser geworden ist.
Für mich geht’s morgen zum Cruz de Ferro - das ist ja der höchste Punkt auf meiner Strecke. Ich freu mich schon sehr drauf.
Buen Camino
Claudi
#2 — Besserung. Das mit der zu überwindenen Höhe ist schon stark. Aber einige harte Wege sind noch das, aber das schaffst du! Ich war immer der Meinung, daß der weite Himmel über Schleswig-Holstein das Größte für mich ist. Aber die Bergwelt ist umwerfend!
Wenn du Claudia schreibst, grüße sie und ich bin beeindruckt wie sie es schafft. Die Unterkünfte von ihr gruseln mich. Respekt!
Mutti
Der Tag war eigentlich recht unspektakulär. Nach einem Frühstück in einer Bar in der Nähe, zog ich gegen 7:45 Uhr alleine los und blieb den Tag auch alleine. Das Wetter war sehr schön und irgendwie sogar zu schön, aber mein Knie hielt trotz der wieder zahlreichen, steilen Steigungen besser durch als erwartet. Ich gönnte mir auch mehrere Pausen. Nach mich bereits nach einer Stunde sämtliche Pilger überholten, wagte ich noch mal eine telefonische Reservierung, die sogar klappte, was mich sehr freute.

Kurz vor Sonnenaufgang von meinem Fenster aus gesehen.

Immer noch sieht man Wolken in den Tälern, aber ich startete ja auch bei etwa 950 m Höhe.

Man sieht sie nicht häufig, aber doch gibt es Radfahrer, die sich auf diesen Weg trauen.

Schöne Aussicht.

Eine kleine, aber sehr willkommene Bar am Wegesrand. Hier gab es für mich einen Kaffee sowie einen Füße-Check.

Der Weg geht weiter.

Raus aus dem Schatten und rein ins Licht.

Mal wieder ein sehr steiler und deshalb anstrengender Aufstieg von 150 m bei A Lastra. Schön ist anders. Flache und weite Strecken der Via de la Plata sind eher meins. Steigungen sind hier klar meine Prüfung.

Nach Aufstieg in Hitze tut ein alkoholfreies Bier richtig gut. Dazu gabs als Pintcho ein Stück Brot mit Käse.

Kurz vorm Ziel kamen noch drei Reiter auf den Camino.

Zum Mittag gab es eigentlich nur einen gemischten Salat mit Fisch...

...aber man brachte mir Salat und Fisch - also ein Menu mit allem Drum und Dran.

Als Nachtisch gab es lecker „Tarta de Santiago“, also einen Mandelkuchen :-)
Kommentare:
#1 — Hey Michael,
Super tolle Fotos die letzten Tage! Für diese Ausblicke hast du diesen Weg gemacht, das hat sich schon gelohnt. Ich wünsche dir gute Gesundheit für die zweite Hälfte, liebe Grüße, Margit
#2 — dein Knie und der Fuß hält durch. Was für eine schöne Umgebung! dieser Pilgerweg wird wegen seiner Schwierigkeiten bestimmt wenig gewählt. Aber kein Regen für die nächsten Tage ist top. Eine geruhsame Nacht. Mutti
Abgesehen von einer kürzeren Nieselregenphase, war heute ideales Wetter zum Gehen. Blasen und Kniee machten keine Scherereien und so konnte ich entspannt die rund 30 km nach Lugo hinter mich bringen. Nur hier und da traf ich auf andere und schon bekannte Pilger für kurze Gespräche. Meine Kaschemme in der „Pension San Roque“ für 34 Euro mit Bad ist wirklich nicht der Rede wert. Jetzt muss ich aber planen, wie ich die restlichen 100 km in ideal 4 Etappen mit guten Unterbringungungen bewältigen kann.

Ziemlich direkt nach Cadavo konnte man sich für zwei Wegalternativen entscheiden. Leider wurde alles verschmiert, um die Pilger in die eine oder andere Richtung zu locken. Mich erinnert das an die Schmieraffen von St. Pauli und vom HSV, die in Hamburg alles vollschmieren und alles Geschmiere von anderen wieder über zu schmieren.

Solche Gegenden waren typisch für heute. Das hätte alles auch in Deutschland sein können.

Erstmalig tauchte so ein Kreuz auf, die man sonst sehr häufig am Camino Frances findet.

Eine Frau bewirtschaftet Ihre Felder. Im Hintergrund sieht man sehr große Kohlpflanzen, bei denen man immer mal ein paar Blätter abreißen und verwenden kann.

Selfie des Tages nach der kurzen Nieselregenphase.

Eine Mauer aus Steinplatten zu bauen, das ist schon eine Kunst. Mörtel und Zement konnte ich dort nicht erkennen.

Ein kleiner Friedhof. Die Muschel im Zaun lässt auch hier eine Bedeutung des Caminos erkennen.

Der Stadtrand von Lugo.

Eines der Stadttore von Lugo mit den Namen „Porta San Pedro“ mit einem Monolithen davor...

...der die restliche Distanz nach Santiago mit 99,583 km anzeigt.

Ein Wegweiser, der in Lugo durch die Altstadt innerhalb der gewaltigen Burgmauern führt.
Kommentare:
#1 — Lieber Brudu, die Gegend und die Ausblicke sind einfach wunderschön, was u.a. an der bergigen Landschaft liegt. Ich hoffe, dass Deine Füße und Knie das bis zum Ende gut mitmachen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und nette Menschen, die Dich auf einem Teilstück begleiten.
Liebe Grüße Marijke
#2 — Lieber Michael. Wie ich sehe am Grenzstein nur noch 99 Km. Das ist doch zu schaffen. Wir drücken beide Daumen. Immer ein Lied auf den Lippen. "Das Wandern ist des Michis Lust." Herzliche Grüße die Heiros
Da ich schon sehr früh wach war stellte ich erst heute die Webseite von gestern fertig und baldoverte die letzten vier Etappen der letzten 100 km aus. Nicht immer liegen die Orte mit einem guten Angebot im Abstand von 25 km. Außerdem stößt der Camino Primitivo morgen in Melide mit den Camino Frances zusammen. Frühstück gab es in der Bar nebenan um 7:00 Uhr, weshalb ich früh starten konnte. Das Wetter war super und ich war gut drauf. Er brauchte also diesmal bis gestern bzw. heute, bis meine Physis dem Weg entsprechen angepasst war. Die Herberge/Pension „A Nave“ in Ferreira war als verhältnismäßig teuter beschrieben worden und das ist sie auch, aber hier stimmt auch alles und die Qualität ist echt gut: Einzelzimmer 40 Euro, Menü (vegan) 12 Euro, Wäsche waschen und trocknen 7 Euro. Da ich keine Lust habe, auf dem restlichen Camino mit den anderen Pilgern um die Betten zu kämpfen, habe ich die nächsten drei Nächte vorgebucht, so dass ich am Dienstag nach Hause fliegen kann.

Selfie vor dem Stadttor „Porte San Pedro“ - voller Optimismus und guter Laune.

Die Kathedrale von Lugo im Vorbeigehen. Gestern fragte ich dort noch einen Priester, der im offenen Beichtstuhl mit seinem Smartphone beschäftigt war, wo man denn einen Stempel bekommt. Er führte mich dann aber bereitwillig zum Büro.

Typischer Weg von heute - viel auf der Straße mit schnellem Vorankommen und fast keinem Verkehr.

Es gab aber auch schöne und gut begehbare Wege in waldigen Gegenden.

Der helle Obergockel in der Mitte sah mich im Vorbeigehen sehr argwöhnisch an. Dabei hatte ich gar nicht an gegrillte Hähnchen oder so gedacht.

Verbleibende 73 km nach dem einchecken im A Nave.

Mein Zimmerchen von heute - alles heil, alles sauber, toll :-)

Auch im Bad ist alles bestens. Der große Duschkopf ist fest montiert und die Türen schließen korrekt.

Das Feierabendbierchen nach einem zufriedenen Marsch.

Die heutige Essensrunde mit Spaniern, Amerikanern, Italienern, Holländern und Deutschen.

Vorspeise: Salat mit Kichererbsen

Hauptgang: Zuckini-Spagetti.

Nachtisch: Tarta de Santiago.
Kommentare:
#1 — Gute Laune und Menschen von überall auf der Welt, was für ein tolles Erlebnis! Noch 3 Tage und du bis am Ziel und hast den schwierigsten Weg dahin geschafft mit einer unglaublich schönen Natur. Halt dich weiterhin zusammenen und noch tolle Tage . Mutti
Weil der Mann im Nebenzimmer schnarchte, musste ich erstmals meine Ohrstöpsel zücken. Um 6:45 Uhr gab es dann ein schönes Frühstück, so dass ich früh für die geplanten 33 km starten konnte. Das Wetter war perfekt, bis es mittags ab Melide (ca. km 20) dann doch etwas zu warm wurde. Nur das Stockgeklapper zweier Italiener nervte, die ich irgendwie auch nicht abschütteln konnte. In Melide machte ich eine Pause und lüftete die Schuhe, um für die letzten 13 km ein gutes Klima zu schaffen. Unterwegs traf ich auf viel neues Volk, vor allem Pilger, die mal eben die letzten 100 km ab Sarria laufen und eine komplett durchgestylte Reise unternehmen. Was solls. Es sind leider auch viele Spaßvögel unterwegs, denen permanentes Labern und Lachen wichtiger sind, als Ruhe, Achtsamkeit, Meditation oder Kontemplation... Mein Raum mit Bad in der Herberge/Pension „Caminates“ ist jedefalls super und kostet 25 Euro. Das Menü in der Bar nebenan ist nicht erwähnenswert. Der restliche Weg nach Santiago ist jetzt nur noch 43 km lang.

Gestartet bin ich auf Wegen wie hier. Viel Asphalt, aber dafür relativ eben.

Derweil kämpfte sich die Sonne von hinten langsam durch die Wolken. Das war nicht so dunkel, wie es hier auf dem Foto aussieht.

An dieser Quelle hat sich Jesus vor langer Zeit die Haare gewaschen und die Nägel gemacht. Das Quellwasser ist mittlerweile natürlich sehr stark verdünnt, aber das ist so ähnlich wie bei den Globulinen, die ja auch extrem verdünnt wirken.

Der weiße Ort im Hintergrund ist Melide in ca. 8 km Entfernung. Dort trifft mein Weg auf den Camino Frances. Somit ergeben sich auch neue Bekanntschaften und Begegnungen mit seltsamen Pilgern, die erst in Sarria gestartet sind.

Netter Vorgarten mit vielen Pflanzen und Blumen. Blumen sind ja eigentlich auch Pflanzen, oder?

Hier beisbpielhaft meine Pilgerfreude aus Asien. Es gab sie heute massenhaft ab Melide. Ab Sarria werden die letzte 100 km abgelaufen, um in Santiago die Compostela als Nachweis für den Jakobsweg zu erhalten. Sportschlappen, Ringelsocken, Jeans, Tagesrucksäckchen und Kopfhörer (bei den jungen) sind angesagt. Irgendwo wartet dann ein 5-Sterne-Bus, der sie dann ins Hotel abseits des Weges bringt. Kann man machen - jeder geht halt seinen eigenen Camino auf eigene Weise.
Asis gibt es auch überall. Es ist verständlich, dass man sein schlimmes Bein mal hochlegen möchte, aber warum lässt man die nassen Adiletten an, mit denen man wohl eben noch vorm Gemeinschaftsurinal stand? Vom fiesen Nagelpilz will ich gar nicht reden. Dieser Mann war übrigens westlicher Prägung und man findet sie auch bei uns in den Herrenumkleiden beim Training.
Kommentare:
#1 — Wie fühlst du dich so kurz vor dem Ziel? Du hast einen sehr schwierigen Weg gewählt und wahrscheinlich viel ruhiger durchlebt als Claudia. Ich hoffe dich enspannt und auch erschöpft wieder zu sehen. Ich freue mich noch auf 2 Berichte von dir und denke mit Hochachtung an dich, Mutti
Schlafen musste ich mit Ohrenstöpseln, weil der Hund von gegenüber ständig bellte. Sowas kratzt die Spanier aber anscheind nicht, weil man das durchaus häufiger bei Hunden hört, die nachts alleine draußen sind. Durch das frühe Frühstück um 6:30 Uhr konnte ich auch wieder früh um ca. 7:15 Uhr starten. Aus dem Bauch würde ich sagen, dass ich heute mehr Pilger mit Minimalausrüstung beim Sonntags-Nachmittags-Spaziergang sah, als welche, die aussahen, als hätten sie einen vollständigen Jakobsweg mit voller Ausrüstung fast hinter sich. Morgen erreicht man nach etwa 21 km Santiago de Compostela. Die Ruhe und Entspannung auf dem Weg ist vorbei. Es sind dafür einfach zu viele Pilger unterwegs und einige von ihnen sind auch deutlich zu laut. Dabei ist noch nicht mal Hochsaison auf dem Camino. Ich hatte mir zur Vorsicht wieder ein Zimmer in der Pension „Platas“ für 55 Euro reserviert, was durch die Nähe zu Santiago jetzt anscheinend immer teurer wird. Abends ging ich mit Martin vom Bodensee noch in einer Pizzeria essen und wir tranken noch einen „Orujo de Hierbas“, also eine Art Kräuterschnapps, der hier in Galizien hergestellt wird.

Kurz vor Sonnenaufgang hinter einem Berg bei diesmal wolkenlosem Himmel.

Die Anzahl der Pilger - egal, ob auf Rad oder nur mit Turnbeutel - hat stark zugenommen.

Idyllisches Gehöft am Wegesrand.

Eine mit leeren Flaschen dekorierte Bar am Wegesrand, die es so oder ähnlich nun mindestens alle 2 km gibt.

Zur mittäglichen Brotzeit gab es diesmal Empanada, also mit Thunfisch und anderen Dingen gefüllter Teig. Meistens sind sie mit Fleisch gefüllt.
Freunde der Sonne, der Regenschirme und Sandalen :-)

Natürlich bekommt der Deutsche Pilger jetzt sein Deutsches Bier. Dabei schmeckte mir unterwegs jedes Bier gut, wenn ich entsprechend ausgelutscht war. Das Bier aus Galicien schmeckt mir sogar richtig gut.

Ein wenig ruhiger Eukalyptus-Wald ohne Störungen durch sich lautstark unterhaltende Menschen, die hier endlich mal, ohne Rücksicht auf andere, ganz aus sich heraus gehen.

Michel mutterseelen am Nachmittag der vorletzten Etappe im Zimmerchen..,

...und abends zusammen mit Camino-Bruder Martin vom Bodensee beim Essen.

Es gab Pizza Vegetariana und vorher lecker Salat.
Kommentare:
#1 — Hallo Michael,
Du pilgerst voll im Trend! In der heutigen Ausgabe des Hamburger Abendblatts war ein ganzseitiger Artikel über den Camino Primitivo (25./26.5.19, S. 62). Bist du auch Wildpferden oder Wölfen begegnet?
wie auch immer, du hast es (fast) überstanden, also im positiven Sinne, und hast bestimmt tausend andere tolle Dinge gesehen. Viele Grüße, Margit
#2 — Hallo Michael. Morgen bist Du am Ziel. Claudia hat noch einige Tage nach. Wir wünschen Dir gutes Ankommen. Danke für die schönen Bilder. Herzliche Grüße von Rosi und Heinzi
#3 — Nacht bestätigt bekommen. Es wird morgen ein ziemlicher Trubel sein und dann ist es gut zu wissen wohin. Ich freue mich schon sehr auf zusätzliche Informationen wenn du wieder hier bist. Du hast, glaube ich, die größte Herausforderung
geschafft. Mutti
Dadurch, dass die Bar an der Ecke schon früh um 6:00 Uhr öffnete, konnte ich mit viel Zeit und Ruhe trotzdem schon um 7:00 Uhr starten, bis die Pilger-Touristen sich auch auf die Piste begegen. Bei kühlem Wetter hatte ich ca. eine Stunde für mich allein und viel Ruhe, dann traf ich bei einer Autobahnbrücke, an der der Verlauf des Camino zunächst unklar war, Svenja aus Schleswig-Holstein. Mit ihr ging ich dann via Monte de Gozo den restlichen Weg bis hinein nach Santiago. Zwischendurch kam noch sehr feiner, aber hartnäckiger Niesel auf. Auf dem Platz vor der Kathedrale machten wir noch Fotos. Später traf ich dort noch Martin und nachdem wir gemeinsam die Urkunde (Compostela) abholten, entdeckten uns noch Jack & Lukas aus den USA in einer Bar. Der Abend endete dann in mehreren Lokalen mit verschiedenen Wegefährten und Weggefährtinen, wie z.B. auch Maite aus Dänemark. Man kann die Kathedrale zwar betreten, aber alle Bänke sind weggeräumt und der Botafumero war ebenfalls abwesend. Pilgergottesdienste finden zurzeit woanders statt. Nun ist der Camino schon fast wieder Geschichte und ich fliege morgen wieder nach Hause. Trotzdem trage ich etwas vom Camino in mir bzw. lasse etwas von mir auf dem Camino.

Nach dem Beschmieren des Brotes mit Butter sowie dem Schichten mit Käse und Ei, ergab sich eine lecker Frühstücksstulle.

Die Wettervorhersage war besser, als in Wirklichkeit. Zwei Stunden feinster Dauerniesel machten nämlich das Herausholen des bereits verstauten Regenponschos notwendig.
Am Anfang gab es noch waldige Gebiete, die sich noch sehr ruhig präsentierten. Später wurde es natürlich voller.
Fliegende Händler versuchten noch auf Krampf einen Deal mit Santiago-Kitsch zu machen, den niemand braucht.

Foto am Eingang von Santiago zusammen mit Svenja aus Schleswig-Holstein, mit der ich diesen restlichen Weg heute vollendete.

Das Tor „Porta de Camino“, über das mehrere Jakobswege den großen Platz vor der Kathedrale final erreichen.

Es ist geschafft, die Kathedrale von Santiago de Compostela ist nach 320 km mit vielen Steigungen des Weges erreicht.

Die Kathedrale ist für mich erstmalig ohne Baugerüste zu sehen. Die Pilger davor sind auch eine bessere Deko, als die Baugerüste. Jetzt wird sie vor allen innen restauriert.

Diesen guten Mann konnte ich einfach nicht ignorieren, als ich in der Warteschlange des Pligerbüros wartete. Man beachte seine schöne Kopfbedeckung. Auch aus solchen Leuten besteht mein Volk. Is nun mal so...

Das typisch Spanische Bettdeckensystem. Oben drauf die Tagesdecke, darunter ein Laken, darunter eine Wolldecke und darunter endlich das letzte Laken, mit dem man dann Hautkontakt hat. Das gibt es so auch in anderen Làndern und vieleicht sind auch nur wir Deutschen bei diesem System wieder die Sonderlinge.

Eine Hardcore-Pilger-Gruppe besichtigt und verunsichert die Stadt.

Mein abendlicher Salat für 13 Euro. Ok, wir sind in Santiago und es sind etwas Ziegenkäse, zwei Spargelchen sowie eine zerteilte Walnuss drinne.
Kommentare:
#1 — es ist geschafft und ich bin "betroffen" von deiner Liebe zu - deinem "Volksstamm".
Ruhigen Flug, Mutti
#2 — Endlich geschafft. Guten Heimflug und baldiges Wiederhören und sehen. Willkommen in der Heimat Hamburg.
Alles Gute von Rosi und Heinzi
Früh bin ich mal wieder aufgestanden und habe meine Sachen sortiert. Bevor ich dann um 7:30 Uhr zum Frühstücken in das zu meiner Pension gehörende "Hotel Rua Vilar" ging , machte ich noch einen kleinen Rundgang im Bereich der Kathedrale. Hier ist um 7:00 Uhr noch nichts los, aber die Atmosphäre ist schön: Fast keine Pilger, keine Neppläden, kein Krach und keine Action. Bevor ich mich dann mit dem Bus Richtung Flughafen auf und davon machte, trank ich mit Martin noch einen abschließenden Kaffee.
Nun bin ich wieder zuhause und muss auch mit dem Kopf erst einmal wieder ankommen.

Das ist die Pension "Rua Nova", in dem ich das schöne Zimmer 11 in der 1. Etage hatte.

Santiago schäft morgens um 7:00 Uhr noch und hat hat dann eine eigene, schöne Atmosphäre. Die ist die Straße in der ich wohne (rechts).

Der Eingang der Kathedrale. Das Haupttor am großen Platz wird angeblich nur in heiligen Jahren wie 2021 geöffnet.

Der große Platz vor der Kathedrale.

Die Front der Kathedrale am großen Platz.

In der Altstadt werden morgens die Wege gekärchert. Man hört soviel von der Wasserarmut in Spanien, aber damit ist anscheinend nicht Santiago gemeint.

Fast wieder daheim im eigenen Aufzug auf dem Weg in die 8. Etage. Die Haut glänzt speckig, aber das Lächeln dominiert :-)

Als ich nach Hause kam, fand ich von meiner liebsten ein sehr leckeres Starter- und Willkommenspaket vor. Für einen Einkauf war es für mich bereits zu spät. Aber was habe ich mich gefreut :-)
Erfahrungen zum Weg
Wer 2-3 Wochen Zeit hat und wer gerne steil bergauf und bergab gehen mag, der wird diesen Camino Primitivo lieben. Besonders die genialen Ausblicke in den Höhen über die Bergwelt mit Gipfeln und Tälern hinweg und manchmal über den Wolken, das ist schon wirklich besonders. Trotz aller Strapazen was erstmalige Erfahrungen mit Blasen und das Gehen mit Stöckern angeht, bin ich die meisten Wege gern gegangen. Wie überall trifft man auch hier Pilgervolk aus aller Welt und sogar einige Erstpilger waren dabei - das waren aber immer junge Leute. Im Mai (2019) muss man wohl noch keine Angst haben, hier in überfüllten Herbergen abgewiesen zu werden. Nach einigen Horrornachrichten vom Camino Frances, habe ich dann aber doch versucht, mir für die Nacht ein Zimmerchen zu reservieren. Mit booking.com ist das kein Problem, aber nicht alle Behausungen sind via booking.com buchbar und so probierte ich mich per Telefon in rudimentären Spanisch d.h. mit Einwortsätzen á la "Buenos Dias - Yo reservacion habitacion individual - hoy - porforvor ?!?" Das klappte sogar mit dem guten Willen der jeweiligen Hospitalero echt gut :-) Nach stressigen Wochen mit Zahn- und Kiefer-OP war mir auf dieser Tour ein Einzelzimmer lieber.
Negativ waren eher die letzen rund 50 km ab Melide, wo der Camino Primitivo und der quasi "Hauptweg" Camino Frances zusammenlaufen. Hier trifft man auf die ganzen "Spaßpilger", die in großeren Mengen nur die letzten 115 km ab Sarria den Weg gehen, um in Santiago die Compostela zu erhalten. Zu viel zu gut gelauntes und laut lachendes und schwatzendes Volk ist hier unterwegs, was wirklich störend ist, wenn man bei Sonnenaufgang den Geruch der Natur, das Licht der Sonne und die Geräusche der Gegend wahrnehmen möchten. Dafür tragen sie dann auch gerne ihr Gepäck nicht selbst, sondern nutzen den Transportservice auf dem Camino. Die Wege sind hier seit 2016 ab offensichtlich überarbeitet worden, d.h. sauber mit Schotter in 3 m Breite gestaltet und vor allem sehr eben und ohne Löcher und Steine begehbar. So reichen dann auch Sandalen völlig aus.
Der Weg und sein Höhenprofil:

Dies ist das Höhenprofil des Camino Primitivo etwa bis zur grünen Linie - meine Trackvorlage ging nämlich noch von Santiago via Fisterra nach Muxia. Die Höhenunterschiede selbst sind gar nicht so tragisch, aber die Steilheit der An- und Abstiege machte mir zu schaffen. Mein rechtes Knie litt jedenfalls darunter und ein sehr netter Holländer (Jan aus Zwolle) half mir mit seiner Kniebandage aus, als es vom Pass Puerto del Palo ca. 800 m steil bergab zur Staumauer Rio Navia ging. Unterm Strich bin ich in den 13 Etappen ca. 7.500 m bergauf und auch wieder bergab gewandert - im Schnitt also täglich 575 m rauf und runter. Mein Tagesdurchschnitt belief sich auf 24,6 km und meine Etappen lagen zwischen 18 km und 32 km.
Ausrüstung:
Meine strumfeste Windjacke mit samt leichten Laufhandschuhen hatte ich nicht benötigt, sowie meinen Schlafsack auch nicht. Auf die Sachen hätte ich aber nicht verzichtet.

Gut war die Erfahrung mit dem Hysan Nasenpflegespray. Die Schleimhäute meiner Atemwege leiden in der extrem trockenen Luft von Flugzeugen und auch klimatisierten Hallen und so hatte ich bei den und Hin- und Rückflügen das Nasenspray ausgiebig verwendet. Nicht selten komme ich nach Flügen deshalb schon mit einem Infekt am Zielort an. Das war diesmal nicht so - entweder hatte ich Glück oder das Spray half wirklich - Danke Catahrina für den Tipp :-)

Erstmalig hatte ich wegen der Steigungen nun auch mal Wanderstöcke dabei. Man kann sich daran gewöhnen, aber sie wiegen zusammen ca. 430 g. Sie sind von Alpidex und aus Kohlefaser (Carbon) hergestellt, daher das geringe Gewicht. Sie hatten im Online-Versand nur rund 45 Euro gekostet und zusammen geschoben könnte man sie gut am Schulterträger des Rucksack verstauen, ohne den Rucksack dazu abzunehmen.
Die neuen Wanderschuhe:
 |
 |
| Mit diesem Schuh "Hanwag Canyon" bin die Caminos 2016-2018 erfolgreich gelaufen. Allerdings löste sich mal nach 600 km mal nach 300 km die Sohle etwas in dem Bereich, in dem der Vorderfuß beim Gehen einen Knick in der Sohle verursacht. Die Sohlen sind bei Lederschuhe heute häufig verklebt und man kann sie sogar nachbesohlen lassen, aber nach meiner Erfahrung mit diesem durchaus 200 Euro teuren Schuh, hält eine geklebte Naht nicht sehr gut. Ich hatte nach mehreren Umtäuschen genug und wechselte dann die Befestigungsart der Nähte,... |
...so dass ich nun mit dem "Meindl Badile" unterwegs war. Dieser Schuh verfügt über eine "zwiegenächte" Sohle und zumindest die 320 km vom Camino Primitvo 2019 überstand der Schuh ohne jede Aufälle. Nach 1000 km muss ich noch mal genauer nachschauen. Er ist etwas teurer als der Hanwag und ob man auch hier die Sohle wechseln könnte, weiß ich noch nicht. Beide Schuhe sind aber sehr griffig und man kommt damit über Stock und Stein und über die holprigen Wege eines Jakobswegs. |
Der Pilgerausweis - Credencial del Peregrino:
Titelseite des Pilgerausweises, den man immer in den Herbergen vorlegen muss und der einen für die Benutzung berechtigt. Die Daten dazu stehen auf Seite 2. Parallel muss man noch seinen Personalausweis vorlegen. Jede Übernachtung wird registriert.

Stempel der ausstellenden Institution - hier das Pilgerbüro St. Jacobi in Hamburg - sowie die ersten Stempel von Übernachtungsstätten und anderen Orten, in denen man einkehrte, also auch Kirchen, Bars, Museen und dergleichen.

Die Kathedrale von Lugo kam mit einem selbstbewusst großen Stempel daher.

Zum Schluss stempelt auch das Pilgerbüro von Santiago noch einmal ab. Man könnte den Ausweis aber weiter verwenden, wenn man z.B. noch bis Fisterra oder Muxia gehen möchte.

Nach Vorlage und Prüfung des Ausweises (Credencial) bekommt man im Pilgerbüro von Santiago die Urkunde (Compostela), die belegen soll, dass man einen Jakobsweg geschafft hat. Man meint damit eine Minimum-Strecke von 100 km zu Fuß oder 200 km mit dem Rad. Deshalb sind die Strecken z.B. ab Sarria auch so überlaufen, weil man hier verhältnismäß gut hinkommt und dann eben nur die ca. 103 km bis nach Santiago laufen muss.
Kommentare:
#1 —
Guten Tag, Michael--- zufällig bin ich auf deiner Seite mit den mich begeisternden Wandertagebüchern gelandet.Und bin
einfach hingerissen von deiner Art zu beschreiben,zu formulieren.Mehrfach habe ich wirklich Tränen gelacht.Auch die Bildunterschriften sind passend und witzig.Da ich alle beschriebenen Wege kenne,war der Wiedererkennungswert groß.